Linda
Troeller / Marion Schneider
The Erotic Lives of Women - begleitende Texte
Über
Frauen 
Frauen brauchen
häufig Trost. Nicht, dass sie schwach wären –
es ist vielmehr eine Form der Zärtlichkeit, nach welcher
sich Körper, Verstand und Seele sehnen, eine Verbindung,
die signalisiert: du bist nicht allein, ich werde bei dir sein,
ich bin bei dir, du kannst dich auf mich verlassen. Es ist eine
Form der Zärtlichkeit, die Wärme und Glückseligkeit
herstellt. Der Trost kann eine Frage sein wie „Oh, Du
bist ein wenig blass, ist alles in Ordnung?“ oder eine
Umarmung, wenn sie frustriert zu sein scheint oder nur ein kleines
Lächeln.
Die meisten
Frauen sind soziale Wesen. Sie genießen es, in einer Gruppe
zu sein und fühlen sich eher beängstigt im Alleinsein.
Einsamkeit ist noch kein Teil der weiblichen Tradition, eher
das Gegenteil: ihr war es nicht erlaubt, alleine zu sein.
Das Leben
der Frau dreht sich um ihren Körper. Ihr Körper ist
ein Objekt des Vergnügens und auch der Ausbeutung. Manchen
Frauen gelingt es, ihren Körper zu einem aktiven und lebensbejahenden
Element ihres Lebens zu machen. Frauen sorgen sich um die Körper
anderer, z.B. wenn sie sich um Ältere und Kranke kümmern.
Ihre eigenen Körper schenken anderen Körpern Leben.
Sie fühlen und reflektieren die äußere Welt
in ihrem Körper, ein Prozess des Gebens und Nehmens, ein
Austausch, in welchem die Frau beides ist, Objekt und Subjekt.
Sie empfängt den Samen, gibt das Blut und gebärt das
Kind. Sie bekommt Verehrung und gibt Liebe.
Frauen wollen
und brauchen die Freiheit, sich selbst ausdrücken, wagen
es aber häufig nicht, dies auszuleben und zu zeigen. Für
sie ist eine Atmosphäre voller Verständnis und positivem
Denken lebensnotwendig, weil sie noch nicht so viele Mechanismen
zur Abwehr von Hindernissen und Widerständen entwickelt
haben. Der Dialog ist ein angenehmer Weg, um Probleme zu lösen.
Frauen
müssen noch immer ihre individuelle Art des Ausdruckes
finden. Es ist sehr wichtig, nicht einzugreifen, weil man meint,
dies würde sie unterstützen. Es ist wesentlich, sie
ihren eigenen Weg, sich selbst zu leben, finden zu lassen und
ihr dabei behilflich zu sein. Es lohnt sich, denn sie wird dankbar
sein für all die Geduld, die sie wirklich braucht.
