Linda
Troeller / Marion Schneider
The Erotic Lives of Women - begleitende Texte
Glück
und Gesundheit
Während
in unserer Kultur Frauen darauf vorbereitet werden, Ehefrauen
und Mütter zu sein, ist die Rolle des Mannes die eines
Erwerbenden und Gewinners. Sogar wenn eine Mutter ihr Kind nicht
nach den herrschenden Prinzipien dieser geistigen, emotionalen,
spirituellen und realen Welt erziehen möchte, wird es durch
diese beeinflusst. Wir haben die Existenz dieser dominanten
Kultur einer männchen und weiblichen Welt zu akzeptieren,
und um ihr nicht unterworfen zu sein, müssen wir sie vollständig
verstehen.
Die Rolle
als Ehefrau und Mutter orientiert die Frauen mehr hin zu Menschen,
weniger zu Dingen. Die Aufmerksamkeit der Frau gilt dem Individuum,
seinen/ihren Bedürfnissen und Ansprüchen. Dadurch,
dass sie diese Aufgabe und Rolle übernimmt, kann ihr Mann
oder männlicher Partner sich auf die Materie, die Dinge
konzentrieren, auf Macht, zu herrschen und zu beschützen,
zu erwerben und zu gewinnen. Wenn Männer bzw. Frauen sich
dazu entscheiden, beide Rollen - die männlich wie die weibliche
- leben zu wollen, werden sie Konflikte zwischen der personenorientierten,
einfühlsamen Seite und der sachorientierten, dominanten
Seite ihrer Persönlichkeit erfahren. Wenn sie dem gegenüber
die gegebene Geschlechterrolle akzeptieren, werden sie ebenfalls
Konflikte erleben, sogar wenn sie diese Rolle voll akzeptieren,
weil sie dann von dem anderen Geschlecht abhängig werden.
Welchen Weg Mann/Frau also auch wählt, es werden Konflikte
entstehen.
Um unser
Leiden aufgrund solcher Konflikte gering zu halten, sollten
wir uns auf das konzentrieren, was wir uns wünschen und
brauchen, und zwar mehr als darauf, welche Hindernisse dem im
Wege stehen. Je mehr wir uns auf unsere Bedürfnisse und
Wünsche konzentrieren und darauf, wie wir diese realistischerweise
in unserem Leben erfüllen können, umso mehr Chancen
haben wir, gesund und glücklich zu werden, weil es unsere
Chance, die selbst gesetzten Ziele zu erreichen, erhöht.
Es kann hilfreich sein, zu kritisieren, was wir nicht mögen
- aber nur in Hinsicht darauf, was wir mögen. Wenn wir
uns darauf konzentrieren, was wir nicht mögen, werden wir
unglücklich, wenn wir uns auf die Dinge konzentrieren,
die wir mögen, macht uns dies glücklich. So betrachtet
ist das eigene Glück hauptsächlich eine Frage der
eigenen Einstellung bzw. Wahl.
Warum konzentrieren
wir uns denn so oft auf die negativen Aspekte im Leben, anstatt
selbst der/die Handelnde zu sein? Dies ist eine Folge der persönlichen
Erfahrung, fremden äußeren Mächten ausgeliefert
zu sein, Folge unserer Erziehung und persönlichen Erfahrung.
Eine andere Konsequenz des Entschlusses, glücklich sein
zu wollen, ist es also, unser eigenes Leben als ein Produkt
unserer eigenen Entscheidung anzusehen und nicht als Produkt
fremder Kräfte und Mächte. Ein realistisches Weltbild
ist folglich sehr wichtig für persönliches Glück
und für Gesundheit. Wir müssen unsere eigenen Kräfte
und Grenzen vollständig kennen.
Ein anderer
Grund für insbesondere weibliches Leid ist die Erfahrung,
dass das gemeinsame Leben mit einem geliebten Menschen eine
Art von Abhängigkeit und gegenseitiger Abhängigkeit
ist - unser eigenes Glück ist vom Handeln des anderen abhängig.
Es ist selbstverständlich, dass Menschen sich aufeinander
beziehen, um ihre Interessen auszugleichen und ihre beiden Willen
zu koordinieren. Im Zusammenleben mit anderen Menschen können
wir uns mehr oder weniger auf den anderen Menschen beziehen.
Je mehr wir es tun, desto mehr fühlt der/die andere sich
genötigt, sich wiederum auf uns zu beziehen und muß
deshalb ihren/seinen eigenen Willensprozess unterbrechen. Manche
Menschen können das akzeptieren, andere nicht. Wir haben
nicht das Recht, von anderen zu verlangen, dass sie es müssten,
sich auf uns zu beziehen. Wenn wir also mit Menschen zusammentreffen,
die lieber nach ihrem eigenen Konzept leben wollen, ohne sich
auf andere besonders oft beziehen zu müssen, so ist es
eine zu akzeptierende Form des gemeinsamen Zusammenlebens.
Natürlich
ist es so, dass mit zunehmender Koordinierung von zwei Willen
die Chance, glücklich zusammen zu leben, steigt. Eine Person,
die ihren Willen nicht gerne so oft mit anderen abstimmt, ist
wahrscheinlich mehr am eigenen Glück interessiert als am
gemeinsamen Glück. Da es wahrscheinlich nicht möglich
ist, diese Person zu ändern, ist die Akzeptanz der anderen
Person in ihrem Handeln Grundlage für das eigene persönliche
Glück.
