An die weiblichen Opfer der Männerherrschaft


Du hast doch Angst, zu Dir zu stehen,
zu sagen, was Du willst,
Dich zu bekennen.


Das ist die Angst, daß man Dich ablehnt,
daß man Dich straft,
daß man Dir schadet,
wenn Du mal sagst »Ich will, ich brauche«,
wenn Du es wagtest, NEIN zu sagen.


Dein Handeln läßt sich davon leiten,
was andere angeblich wollen
und was Moral und Sitte vorgeben,
vermischt mit Normen, selbstgebastelt.


Doch kannst Du etwa wirklich wissen,
was andere sich von Dir wünschen?
Und ob die Wünsche auch berechtigt,
die Normen, die Du aufstellst, richtig sind?


Anstatt die Lust zu suchen,
betreibst Du
fortgesetzte Vergewaltigung.


Dein Ich zerfließt in Opfergängen,
nicht wissend, daß in seinen Zwängen
es andere zu seinen Opfern macht.


Zunächst sind das mal Deine Männer.


Anstatt an Deinem Platz zu kämpfen,
mit ihm zusammen, wo nur möglich,
legst Du Dein Ich in ihn hinein
und nennst das Liebe.


Aus Deiner Schwäche machst Du Stärke,
und machst sie zur Norm.


Die Liebe findet da ihr Ende,
wo sie doch erst beginnen sollte.
Denn nicht gelernt, das ICH zu sagen,
kannst Du das WIR auch nicht erreichen.
Dann kommen Kinder,
welche Möglichkeiten!


Oh, diese unendliche Vergewaltigung!
Oh, Du lächelnde Mörderin!