Frau Karl Schmidt
In unserem Land gibt es Meinungen, dass es Menschen zweiter Klasse gibt. Das sind die Frauen und die Ausländer zum Beispiel.
Meine Schwester und meine Mutter sind sehr nett. Ich mag sie, ehrlich gesagt. Was soll ich tun? Soll ich mich auf die minderwertige Ebene begeben oder soll ich sie von oben herab behandeln? Wie kann ich sie lieben, ohne mich ihnen zu nähern?
Bei meiner Frau habe ich einen Trick gefunden. Ich mache sie einfach zu mir. Sie wird Frau Karl Schmidt und damit ist sie ja fast ein Mann. In mir kann sie gleichwertig sein.
Es ist schwer für mich, Mutter und Schwester zu haben. Ich möchte erfolgreich sein, und da ist es gut, sich nur mit Starken zu zeigen. Ich kann ihnen auch nicht helfen. Sie sind nun mal Frauen, daran ist nichts zu ändern. Also möchte ich lieber gar nicht daran erinnert werden.
Andere zeigen sich auch mit Mutter und Schwester, das stimmt. Doch bei meiner Mutter und meiner Schwester sieht man, dass sie leiden. Mein Vater und mein Schwager führen auch ein hartes Regiment.
Also halte ich mich fern, besuche sie Weihnachten und zum Geburtstag und bin ansonsten ein vielbeschäftigter Mann.
