Nordamerika
Nordamerika
vor dem Kontakt mit Europa
Indianische
Besiedlung hat eine Tradition von etwa 12.000 Jahren, und etwa vor
3.500 Jahren began die systematische Landwirtscahft. Ende des 15.
Jahrhunderts gab es in Nordamerika inclusive des heutigen Kanada
mehr als 600 verschiedene Volksgruppen, und ihre Sprache kann mindestens
12 verschiedenen Sprachgruppen zugeordnet werden. Grundgedanke Ihrer
Lebensweise war das Bewusstsein ihrer Abhängigkeit von der
Natur und das Trachten nach Ausgleich von Geben und Nehmen. Columbus
berichtete über ihre Freundlichkeit, ihr gutes Benehmen und
die Tatsache, dass sie ihre Nachbarn liebten wie sich selbst. Ihre
Kultur basierte auf der Landwirtschaft, der Jagd und dem Fischfang,
eingebettet in von Jahreszeiten bestimmte Rituale und Regeln. Konfliktbewältigung,
auch kriegerische, zielte auf Verständigung. Die verletzte
Seite erklärte die Ursache der Verletzung und des Handelns,
und die angegriffene oder vom Angriff bedrohte Familie oder Gruppe
konnte so ggf. eine Entschädigung anbieten, die den Konflikt
friedlich beilegte.
Kontakt und Besiedlung aus Europa
Die
ersten Kontakte von Europäern zielten auf das Finden von menschlichen
(Sklaven) und sachlichen (Gold u.a.) Schätzen und die Ausbeutung
derselben oder der Natur (Handel mit Fellen, Pelzen). Die Einwohner
Amerikas zu versklaven, war allderings schwierig, denn Brutalität
wie eingeführte Krankheiten bewirkten eher ihr Aussterben.
So wurde nach den kanarischen und den karibischen Inseln innerhalb
von zwei Jahrhunderten auch fast die gesamte Ostküste von ihren
Ureinwohnern leergefegt.
Die
europäische Entdeckung, Besiedlung und Bewirtschaftung Nordamerikas
führte zunehmend zu einer extrem einseitigen Stärkung
Europas und seiner Kultur, weil sie auf Ausbeutung beruhte. Sie
wurde gleichzeitig ein Ventil für die sozialen Spannungen in
Europa. England z.B. verdoppelte seine Bevölkerung zwischen
1550 und 1650.
Während
an der Westküste Spanien von Mexiko aus kommend dominierte
und dort vor allem die Ausbeute für Spanien suchte, war es
an der Ostküste zunehmend ein Siedlerstrom vor allem aus England,
aber auch aus Frankreich, der das Leben der indianischen Bevölkerung
beeinflusste. Im Machtkampf zwischen Spanien, Frankreich und England
konnten sich indianische Stämme immer noch gewissen Einfluss
und Macht erhoffen, doch es kam der Zeitpunkt, wo sie Loyalität
gegenüber einer Nation zeigen mussten, was ihre Position in
der Regel schwächte, da es um kriegerische Auseinandersetzung
ging.
Mit
Zunahme der Besiedlung schmolz die Macht der Stämme und sie
mussten zunehmend Land abgeben, was ihre Position wiederum schwächte,
wozu noch die ständig wieder ausbrechenden Epidemien beitrugen.
Zwischen 1520 und 1900 kamen etwa 100 Epidemien aus Europa nach
Nordamerika, etwa alle vier Jahre und 2,5 Monate eine. Oftmals verloren
indianische Gruppen mehr als 75 % ihrer Population innerhalb von
wenigen Wochen. Neben den Schockwirkungen war auch die Ernährungsgrundlage
oftmals gefährdet, die doch von der strikten Einhaltung jahreszeitlichen
Regeln und Arbeiten abhing.
Land und Leben
Während
die ersten Siedler sich noch um ein friedliches Auskommen mit den
Ureinwohnern bemühten, änderte sich das mit Zunahme der
Besiedlung, deren Lebensnerv der Landbesitz und die Ausbeutung der
Natur war, das genaue Gegenteil der indianischen Lebensweise, die
eine intakte Natur sowie den freien, durch Tradition und Erfahrung
geregelten Austausch mit ihr voraussetzte. Herrschender Grundgedanke
der Besiedlung aus allen europaeischen Ländern war der Glaube,
dass die eigenen Werte die besseren seien und somit der in Nordamerika
bestehenden Kultur Glück und Besserung bringe.
Während
der ersten Jahrzehnte der Koexistenz indianischer und europäischer
Kultur entwickelte sich angesichts der sichtbaren Errungenschaften
und Vorzüge indianischer Lebensweise in Abgrenzung dazu zunehmend
die Auffassung, dass die indianische Kultur vom Teufel selbst geschaffen
sei bzw. ihn selbst repräsentiere. Als sich angesichts zunehmender
Repression indianische Selbstverteidigung einstellte, wurde dies
nicht nur als Beweis dafür angesehen, sondern auch zum Anlass
genommen, sie im Gegenzug dazu anzugreifen und zu enteignen.
Die
überlegenen Waffen wie die Berufsarmee an sich, die Vorstellung
der Unterwerfung und Beherrschung durch Gewalt auf lange Dauer sowie
der Grundgedanke, dass ein Mensch aufgrund seines Geschlechts, seiner
Herkunft oder Hautfarbe einem anderen überlegen sei konnte
waren es, mit der die europäischen Mächte die indianische
Bevölkerung unterwarf. Gegenwehr wurde mit unvergesslicher
Kompromisslosigkeit bekämpft. Das erste grosse Massaker ereignete
sich an der Westküste im Dezember 1598. Nachdem sich die Acomas
gegen das Verlangen spanischer Eroberer nach Nahrung, Wasser und
Holz, zusaetzlich verärgert duch Diebstahl und sexuelle Belästigung,
duch den Mord von 13 Spaniern wehrten, töteten die spanischen
Krieger 800 indianische Männer, Frauen und Kinder, nahmen 600
gefangen, wovon alle ueber zwölf Jahre Sklaven wurden, denen,
sofern sie Männer über 25 Jahre waren, ein Fuss amputiert
wurde, und gaben die Kinder bis zwölf Jahre den Mönchen
als Dienstboten, und kurz darauf wurden noch einmal fast 1000 Menschen
getötet und 400 Gefangene genommen, weil sie nicht gleich Nahrung
und Decken abgeben wollten.
Die
ersten Massaker an der Ostküste ereigneten sich 1636, durch
die Kirche legitimiert und ausgelöst durch den gewaltsamen
Tod zweier Siedler. Kinder, Greise, Frauen wie Männer wurden
erschossen, erschlagen, verbrannt. Es handelte sich um einen organisierten
Feldzug über mehrere Wochen. Dies hatte gravierende Auswirkungen
auf die Einstellung der übrigen indianischen Stämme, die
sich wesentlich bereitwilliger unterwarfen. Gefolgt wurde diese
Entwicklung erstmals 1644 durch die Christianisierung, in der sich
Stämme der christlichen Unterweisung und weltlichen Unterordnung
unterstellten. Schon 1671 folgte das zweite grosse Massaker von
20.000 Narranganset, ebenfalls meist durch Verbrennen. Verantwortlich
war der Gouvereur von New York, ausgeführt wurde es von Puritanern
aus Massachussetts und Connecticut. Der endgültige Sieg wurde
durch den Gouverneur von New York herbeigeführt, und die Überlebenden
wurden in die Sklaverei auf die Bahamas verkauft, obwohl sie sich
vorher mit dem Versprechen des Schutzes ergeben hatten. Der Kopf
des besiegten Häuptlings Matacom wurde über den Stadteingang
von Plymouth gehängt, eine Praxis, die die Engländer bereits
in der Unterwerfung Irlands erfolgreich angewandt hatten. Hiernach
war indianischer Widerstand in Neu England auf immer beendet.
Das
Ende des Bürgerkriegs, bei dem die Mehrheit indianischer Stämme
auf Seiten Englands stand, verschärfte die Situation der Indianer
noch, auch für die, die auf Seiten der Amerikaner gekämpft
hatten. Zudem war die Autorität des amerikanischen Staates
schwächer gegenüber seinen Bürgern, und in den dann
folgenden Jahren war der Siedlerdrang gen Westen nicht mehr aufzuhalten.
Die Übermacht
Das
19. Jahrhundert brachte dann offiziell die Landnahme, Enteignung
und Umsiedlung der indianischen Menschen mit sich. Der Staat und
die föderalen Institutionen mit dem Militär sicherten
diesen Prozess ab. Eine Methode war es, das Land systematisch in
Lose aufzuteilen und Teile davon vielfach, aber auch nicht immer,
seinen vormaligen Besitzern anzubieten, deren Kultur Privatbesitz
von Land nicht kannte. Im Namen der Indianer, die durch zu enges
Zusammenleben mit den europäischen Siedlern, inzwischen Amerikaner
genannt, nur dem Alkohol und Krankheiten verfielen, insofern die
einzige Alternative zur Auslöschung, wurde ausserdem von Seiten
des Staates oder des jeweiligen Bundeslandes die Aus- bzw. Umsiedlung
indianischer Menschengruppen beschlossen. In Georgia, Mississippi
und Alabama wurden die Indianer mit umfassender Unterstützung
des Präsidenten Andrew Jackson systematisch enteignet und ausgesiedelt.
Auch hierbei verloren viele ihr Leben, den den Creeks beispielsweise
fast 50 % des Volkes.
Das
schlimmste Schicksal jedoch erlitten die Indianer der Westküste,
die von den vom Westen her einströmenden, inzwischen ruchlosen
Individuen, als Privatleute, in Banden oder halbstaatlich organisiert,
willkürlich ermordet wurden und sich dagegen fast überhaupt
nicht wehren konnten, da sie bereits durch die vergangenen zwei
Jahrhunderte kolonialer Beherrschung durch die Spanier von 700.000
auf 200.000 Menschen geschmolzen und dazu noch wenig organisiert
waren. Blanker Rassismus und Verachtung waren die ideologischen,
freie Landverfügung die materiellen Hintergründe dieses
Verhaltens von Siedlern und Goldsuchern. 1900 gab es nur noch 15.000
überlebende Indianer an der Westküste.
90
Jahre nach der Gründung der Vereinigten Staaten hatte der Staat
370 Verträge mit indianischen Stämmen geschlossen, wovon
kein einziger eingehalten wurde, weil der Staat seine Bürger
nicht zur Einhaltung zwang. 1871 beschloss der Kongress, keine Verträge
mehr mit Indianern zu vereinbaren, weil sie ungleich und somit kein
Rechtssubjekt seien.
Das
Ergebnis
In
vier Jahrhunderten schmolz die ursprüngliche Bevoelkerung Nordamerikas
von 7 bis 10 Millionen auf 250.000 Menschen. Die Herden der Bisons
waren um 1895 auf 1.000 Bisons geschmolzen.
Quelle:
Wilson, James, The Earth Shall Weep
A History of Native America, New York 1999
Excerpt: Marion Schneider

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