{"id":2073,"date":"2013-04-07T18:22:45","date_gmt":"2013-04-07T16:22:45","guid":{"rendered":"http:\/\/marionschneider.com\/?p=2073"},"modified":"2013-04-07T18:32:40","modified_gmt":"2013-04-07T16:32:40","slug":"gibt-es-einen-weiblichen-mannlichen-blick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.marionschneider.com\/de\/gibt-es-einen-weiblichen-mannlichen-blick\/","title":{"rendered":"Gibt es einen weiblichen\/m\u00e4nnlichen Blick?"},"content":{"rendered":"<p>Gibt es einen m\u00e4nnlichen und gibt es einen weiblichen Blick? Ich m\u00f6chte die Frage so sehr bejahen wie die Frage, ob es einen m\u00e4nnlichen und einen weiblichen K\u00f6rper gibt. Dieser K\u00f6rper, gesteuert durch seine unterschiedlichen Hormone<a title=\"\" href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><sup>1<\/sup><\/a>, bildet die biologische Grundlage unseres Bewusstseins. Jede Lebens\u00e4u\u00dferung unserer Umwelt, wozu schon jeder Gedanke, jedes Gef\u00fchl unserer Mutter geh\u00f6rt, jede Kontaktaufnahme unseres Vaters schon vor unserer Geburt, bilden unser Bewusstsein und unser Sein.<\/p>\n<p>Heute wissen wir, dass selbst unsere Gene dem Umwelteinfluss unterworfen sind und sich ver\u00e4ndern k\u00f6nnen.<a title=\"\" href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup>2<\/sup><\/a> Wir sind gepr\u00e4gt von unserer Umwelt und unserer Geschichte, nicht nur unserer pers\u00f6nlichen Geschichte, sondern auch der Geschichte der Menschheit.<a title=\"\" href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><sup>3<\/sup><\/a> Eingebettet in Geschichte und Gegenwart entwickeln wir unser Ich, und jedes Ich ist einzigartig.<\/p>\n<p>Jede Generalisierung ist insofern schon ein Wagnis, und doch ist es Aufgabe von Politik, Philosophie, Geschichts- und Religionswissenschaft, von jeglicher Art von Wissenschaft, Verallgemeinerungen zu treffen, wobei sie sich unbedingt der Bedingtheit ihrer Aussagen bewusst sein sollte. Jedes Dogma ist also eigentlich ein Tabu in der Wissenschaft \u2013 sollte es sein. Zunehmend wird sich die Wissenschaft ihrer Begrenztheit und der Notwendigkeit der Verabschiedung aller Tabus bewusst. Es ist ein schwieriger Prozess, denn auch die Wissenschaft baute in ihrem Entwicklungsprozess auf Tabus und Dogmen auf.<\/p>\n<p>Die Reproduktion unserer Art ist das \u00dcberlebensgesetz der Natur, der wir unterworfen sind. Sich ihr zu verweigern, sie zu besiegen, ist Teil der Unterwerfung der Natur, der Dominanz der Menschen \u00fcber die Natur. Dies ist erreicht: Wir vermehren uns nicht mehr, wenn wir es nicht wollen, zumindest nicht in der am weitesten entwickelten Gesellschaftsstruktur, die derzeit die Welt dominiert. Dieser Sieg \u00fcber die Natur wird mit der umfassenden Unterdr\u00fcckung unserer biologischen Funktionen erkauft. Die Anti-Baby-Pille ver\u00e4ndert die biochemischen Funktionen und Reaktionen des K\u00f6rpers und unterwirft die Frau einer st\u00e4ndigen Scheinschwangerschaft, was ihre Empfindungen, Reaktionen, Ger\u00fcche und Funktionen ver\u00e4ndert. Der Mann, der auf sie nun reagiert, ist einer, der bereit ist, ein werdender Vater zu sein, denn um dieser Frau zu gefallen, ist ein Ern\u00e4hrer der Familie gesucht. Auch Sterilisation, f\u00fcr die sich einige M\u00e4nner und Frauen entscheiden, ver\u00e4ndert ihre grundlegende Einstellung zum anderen Geschlecht und somit ihr Verhalten. Jede andere Art von Verh\u00fctung ist eine rein mechanische, die unsere biologischen Reaktionen und Funktionen nicht ver\u00e4ndert und sie somit f\u00fcr uns weiterhin vollauf kenntlich macht.<\/p>\n<p>In seiner voll entwickelten und nicht unterdr\u00fcckten biologischen Funktion reagiert unser K\u00f6rper ab einem gewissen Alter unausweichlich auf das andere Geschlecht. Das Testosteron bewirkt bei M\u00e4nnern mit Beginn der Pubert\u00e4t, dass der Frauenk\u00f6rper sie fasziniert und phasenweise dominiert. Der visuelle Reiz steht hier im Mittelpunkt, wiewohl der Geruch eine dominante Rolle spielt, die jedoch nicht so sehr ins Bewusstsein r\u00fcckt <a title=\"\" href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><sup>4<\/sup><\/a>. Sofern die Frau nicht durch die Einnahme der Pille schon fremdgesteuert ist, also als vermeintlich Schwangere schon den Nestsch\u00fctzer sucht, reagiert die Frau mit Beginn ihrer Pubert\u00e4t auf das \u201ebeste genetische Material\u201c eines Mannes. Eindeutig steht im m\u00e4nnlichen wie im weiblichen Falle die Fortpflanzung im Mittelpunkt \u2013 bewusst oder unbewusst.<\/p>\n<p>Machen die M\u00e4nner sich nun auf die Jagd, sind es die Frauen, die ausw\u00e4hlen, sofern sie die Freiheit und die Macht dazu haben. So bestimmt sich der Nachwuchs, so bestimmt die Natur. Nun hat der Mensch vielerlei Regeln und Ordnungen aufgestellt, diese Gesetze der Natur zu behindern oder gar zu brechen. Der Besitz am Menschen war bis vor kurzem noch erlaubt und gilt sogar noch in einigen Teilen der Welt, die Macht \u00fcber Menschen ist \u00fcberall noch vorhanden. Eine individuelle Freiheit ist ein seltenes und sehr kostbares Gut \u2013 insbesondere, was die Frauen betrifft. Zur individuellen Freiheit geh\u00f6rt n\u00e4mlich immer auch die \u00f6konomische Unabh\u00e4ngigkeit. Es gibt nicht viele, die von sich behaupten k\u00f6nnen, diese Unabh\u00e4ngigkeit zu besitzen.<\/p>\n<p>So kommen wir nun zum m\u00e4nnlichen und zum weiblichen Blick. Dieser erfolgt aus einem m\u00e4nnlichen und aus einem weiblichen K\u00f6rper in seiner m\u00e4nnlichen oder weiblichen Rolle. Wir alle wissen, dass es beides gibt: K\u00f6rper und Rolle, und dass sie im Falle der beiden Geschlechter jeweils unterschiedlich sind. Ganz bewusst m\u00f6chte ich auf die urspr\u00fcnglichen Bilder zur\u00fcckkommen, die sehr viel Weisheit in sich vereinen: Die Erde als Mutter, die Sonne als Vater. Die Frau als Lebensspenderin, der Mann als Lebenssch\u00fctzer oder -vernichter. Der Mann als Subjekt, die Frau als Objekt, der Mann als Herrscher, die Frau als Unterworfene, die Frau als Mutter, der Mann als Vater, die nackte Frau, der bekleidete Mann.<\/p>\n<p>Das Bild, welches den Mann dominant bestimmt, wird zun\u00e4chst hinsichtlich seiner sexuellen Verwertbarkeit gefiltert und geht erst sp\u00e4ter \u00fcber sein emotionales Zentrum zur\u00fcck zu seinem Gehirn; dies im Gegensatz zu dem Funktionieren der Frau, deren Aktionsfluss zun\u00e4chst \u00fcber das Herz zu ihrem Sexualorgan und zur\u00fcck zum Gehirn verl\u00e4uft. Dies ist die Erkenntnis der auf der \u00fcber f\u00fcnftausend Jahre alten Tradition des Ayurveda beruhenden Forschung \u00fcber die Chakren und deren m\u00e4nnliche und weibliche Funktion. Dies bedeutet, dass die Frau zun\u00e4chst mit dem Herzen denkt und f\u00fchlt und dadurch ihre sexuelle Aktivit\u00e4t angeregt wird und beim Mann umgekehrt die Herzensaktivit\u00e4t von seiner visuellen Reaktion angeregt wird. In dem auf dem Heilwissen des Ayurveda aufbauenden, Jahrtausende alten Wissensschatz \u00fcber die Sexualit\u00e4t (Tantra) f\u00fchrt dies zu der Empfehlung eines ausgepr\u00e4gten Vorspiels vor dem sexuellen Akt, um die sexuelle Aktivit\u00e4t der Frau und die Herzensaktivit\u00e4t des Mannes umfassend zur Entfaltung zu bringen und somit einen m\u00f6glichst reichen und lustvollen H\u00f6hepunkt zu erleben.<\/p>\n<p>Die auf Besitz und milit\u00e4rischer Macht aufgebaute Herrschaftsform des Patriarchats hat vor allem in den letzten durch die Fotografie und die visuelle Abbildung bestimmten zwei Jahrhunderten das Bild der Frau ganz stark zu einem Lustobjekt manifestiert, dessen sich der Mann bem\u00e4chtigt. Dieser Rolle ist die Frau bis heute nicht entkommen, sondern sie wird in ihr zunehmend und umfassend vermarktet. Eine solche kulturhistorische, gesellschaftliche wie auch pers\u00f6nliche Erfahrung geht nicht spurlos an den beiden Geschlechtern vorbei. Sie begegnen sich auf diesem \u201eSchlachtfeld der Macht\u201c. Auch wenn die Frau inzwischen in Teilen des Milit\u00e4rs eine Rolle spielt, wird es nicht so sein, dass sie hier einen dominanten Einfluss hat. Als Ganzes werden sich die Frauen eher noch als Betroffene oder Plakativobjekte milit\u00e4rischer Macht empfinden und immer dann, wenn milit\u00e4rische Macht eine gr\u00f6\u00dfere gesellschaftliche Rolle spielt, nimmt auch der gesellschaftliche und subjektive Einfluss der Frau ab. Sie wird versuchen, sich auf anderen Wegen Einfluss zu verschaffen, z. B. durch die Kindererziehung und -beeinflussung. F\u00fcr ein entspanntes Verh\u00e4ltnis der Geschlechter nimmt insofern die Rolle des Milit\u00e4rs einen entscheidenden Stellenwert ein, und eine Demilitarisierung der Welt wird auch auf eine friedliche, entspannte und vor allem lustvolle Begegnung der Geschlechter einen wichtigen Einfluss aus\u00fcben.<\/p>\n<p>Studien haben herausgefunden, dass Frauen, die in ihrer Ehe finanziell abgesichert sind, gr\u00f6\u00dfere Lust in der sexuellen Begegnung empfinden, als andere. Die soziale Sicherheit ist f\u00fcr Frauen eine ganz entscheidende Gr\u00f6\u00dfe in der Entfaltung ihrer Pers\u00f6nlichkeit und auch ihrer sexuellen Freiheit. Zur Entfaltung eines nat\u00fcrlichen K\u00f6rpergef\u00fchls jedoch ist die wesentlichste Voraussetzung die Freiheit und hier vor allem die Freiheit von Tabus und Dogmen, womit wir wieder am Anfang dieser Abhandlung angelangt sind. Das Privileg einer solchen Erziehung und Sozialisation haben bisher immer nur wenige M\u00e4nner und Frauen genie\u00dfen k\u00f6nnen. Sch\u00f6n ist jedoch, dass viele von ihnen ihre Freiheit in Form von Kunst und Wissenschaft an andere weiter gegeben haben. Hierauf k\u00f6nnen wir aufbauen.<\/p>\n<p>28.06.2012<\/p>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div id=\"ftn1\">\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Brizendine, Louann: \u201eDas weibliche Gehirn &#8211; Warum Frauen anders sind als M\u00e4nner\u201c, Hamburg 2007, Original: \u201eThe Female Brain\u201c, New York 2006.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn2\">\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Lipton, Bruce: \u201eIntelligente Zellen, Wie Erfahrungen unsere Gene steuern\u201c, Burgrain 2007, Original: \u201eBiology of Beliefs\u201c, San Rafael (CA) 2005.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn3\">\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a><span lang=\"EN-US\"> Wilber, Ken: \u201e<\/span><span lang=\"EN-US\"><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Integral-Spirituality-Startling-Religion-Postmodern\/dp\/1590305272\/ref=sr_1_4?ie=UTF8&amp;s=books-intl-de&amp;qid=1294484150&amp;sr=1-4\">Integral Spirituality: A Startling New Role for Religion in the Modern and Postmodern World<\/a><\/span><span lang=\"EN-US\">\u201c<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"ftn4\">\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Vgl. Brizendine, Louann, Das m\u00e4nnliche Gehirn, Warum M\u00e4nner anders sind als Frauen, Hamburg 2010, Original: \u201eThe Male Brain\u201c, New York 2010.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gibt es einen m\u00e4nnlichen und gibt es einen weiblichen Blick? Ich m\u00f6chte die Frage so sehr bejahen wie die Frage, ob es einen m\u00e4nnlichen und einen weiblichen K\u00f6rper gibt. Dieser K\u00f6rper, gesteuert durch seine unterschiedlichen Hormone1, bildet die biologische Grundlage unseres Bewusstseins. 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