{"id":3409,"date":"2017-10-18T08:24:28","date_gmt":"2017-10-18T06:24:28","guid":{"rendered":"http:\/\/marionschneider.com\/?p=3409"},"modified":"2021-08-19T20:19:40","modified_gmt":"2021-08-19T18:19:40","slug":"dialog-in-deutschland-gestern-und-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.marionschneider.com\/de\/dialog-in-deutschland-gestern-und-heute\/","title":{"rendered":"Dialog in Deutschland \u2013 gestern und heute"},"content":{"rendered":"<p><strong><em><br \/>\nF\u00f6deralismus<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Deutschen haben eine sehr stark regional orientierte, stammesgeschichtliche Tradition. Die Ausbildung einer \u00fcberregionalen Verwaltungs- und Herrschaftsstruktur gestaltet sich \u00fcberaus langsam und ist von vielen Widerst\u00e4nden gepr\u00e4gt. Bereits die f\u00f6derale Struktur mit den 16 Bundesl\u00e4ndern, die Deutschland heute hat, ist insofern eine Errungenschaft. Als Basis ist der F\u00f6deralismus jedoch bereits sp\u00e4testens seit dem Kaiserreich etabliert, insofern hat sich hier nicht sehr viel ver\u00e4ndert, sondern als Ganzes gesehen eher zur\u00fcckentwickelt, da die DDR hier schon st\u00e4rker zentral organisiert war.<\/p>\n<p>Bis heute haben die Bundesl\u00e4nder also starke Machtpositionen. Die Schw\u00e4che des Wirtschaftsministers wie auch das fehlende nationale Kulturministerium zeugen davon. Die Bildung ist noch g\u00e4nzlich f\u00f6deral orientiert, was gro\u00dfe Hindernisse in Zeiten der Globalisierung aufwirft. Zumindest ein einheitliches Bildungssystem f\u00fcr ganz Deutschland mit einheitlichen Abschl\u00fcssen, die von den Bundesl\u00e4ndern gegenseitig reibungslos anerkannt werden sowie einheitliche Lehrpl\u00e4ne, so dass Eltern reibungslos den Wohnsitz \u00e4ndern k\u00f6nnen und die Kinder trotzdem keine gro\u00dfen Nachteile haben, sind w\u00fcnschenswert.<\/p>\n<p><strong><em>Zentralgewalt<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Ausbildung einer einheitlichen Herrschaftsstruktur zun\u00e4chst in Form des K\u00f6nig- und dann in Form des Kaisertums war in Deutschland eine gro\u00dfe Herausforderung. Die Landesherren waren nicht einfach kampflos bereit, ihre gr\u00f6\u00dftenteils kriegerisch erworbenen und erhaltenen Machtpositionen auch nur teilweise zu \u00fcbereignen, was die politische und milit\u00e4rische Herrschaft betraf. M\u00f6glich wurde die Ausbildung des Kaisertums von 1871 durch den vergleichsweise gut organisierten und gro\u00dfen preu\u00dfischen Machtbereich. Zus\u00e4tzlich wurde vom preu\u00dfischen K\u00f6nig, der sp\u00e4ter zum Kaiser gekr\u00f6nt wurde, eine straffe und gewaltsam (was die Rekrutierung zumindest von Teilen der Soldaten anbelangt) errichtete Armee aufgebaut. T\u00e4glicher Drill war die Essenz des Soldatenlebens, und die Leben der Soldaten wurden nach k\u00f6niglichem Gutd\u00fcnken eingesetzt bzw. auch geopfert. Eine solche teilweise recht brachiale Herrschaft wurde durch die Privilegien, die den Offizieren und anderen milit\u00e4rischen F\u00fchrern gegeben wurde, abgesichert. Der kaiserliche Hof wie auch die Armee war von starren Verhaltensregeln und einem strengen Kodex beherrscht, der selbst vom Kaiser nicht verletzt werden durfte, um seine Herrschaft nicht zu gef\u00e4hrden. B\u00fcrgerliche konnten in nur unbedeutendem Ausma\u00df in die F\u00fchrungselite der Armee Einzug halten.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund ist die Entwicklung der demokratischen Bewegung durch Entstehung eines immer selbstbewussteren B\u00fcrgertums zu verstehen. Dieses erschien den Herrschenden auf der einen Seite bedrohlich und vereinigte sie auf der anderen Seite in ihrem Interesse nach Aufrechterhaltung der gegebenen Herrschaftsstruktur als Interessenspartei.<\/p>\n<p>Der preu\u00dfische K\u00f6nig bzw. sp\u00e4tere Kaiser hatte hier als Primus inter pares die gleichen Probleme wie seine von ihm beherrschten F\u00fcrsten und K\u00f6nige. Das B\u00fcrgertum hatte insofern gleich zwei Gegner, die F\u00fcrsten und K\u00f6nige im jeweiligen Herrschaftsgebiet wie auch \u2013 ab 1871 \u2013 den Kaiser zentral. Durch die noch sehr schwach ausgepr\u00e4gte Kommunikationsstruktur der B\u00fcrger miteinander und die schwierigen Transportwege war ein einheitliches Vorgehen zur Durchsetzung ihrer Interessen sehr schwierig m\u00f6glich und das Scheitern der b\u00fcrgerlichen Revolution manifestierte diese komplizierte Ausgangslage des deutschen B\u00fcrgertums.<\/p>\n<p>Die wirtschaftliche, technische wie auch soziale Weiterentwicklung der Welt wie auch dieses Teilgebietes Europas bewirkte jedoch schrittweise eine Einbeziehung des B\u00fcrgertums in Verwaltungs- wie auch erste Herrschaftsstrukturen vor allem lokal. Diese Entwicklung erfolgte sozusagen unter der Hand, unauff\u00e4llig, und sollte die Machtpositionen der F\u00fcrsten und K\u00f6nige nicht anzweifeln. Es ging sehr stark um Status und Bewahrung des Bestehenden. Dies ist eine typische Reaktion auf Ver\u00e4nderung durch agrarisch gepr\u00e4gte Gesellschaften.<\/p>\n<p>Es gab Teile von Handel und Industrie, die besonders stark wuchsen und zu regelrechten Machtbastionen wurden wie zum Beispiel die Stahlindustrie oder die Banken. Diese verbanden sich in der Regel gleich mit der Zentralgewalt, da sie \u00fcberregionale Interessen verfolgten. Somit hatte der Kaiser neue B\u00fcndnispartner. Bisher waren seine B\u00fcndnispartner vor allem Gro\u00dfgrundbesitzer und andere m\u00e4chtige Adlige gewesen.<\/p>\n<p><strong><em>Demokratie<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die unselige Allianz der zentralen mit der f\u00f6deralen Herrschaftselite in der Unterdr\u00fcckung der demokratischen Bewegungen im sp\u00e4teren deutschen Reichsgebiet f\u00fchrte dazu, dass das liberale B\u00fcrgertum seine Kr\u00e4fte vor allem im wirtschaftlichen und auch gesellschaftlichen Bereich und nicht so sehr im politischen Bereich entfaltete, denn das B\u00fcrgertum war auf eine gute Beziehung zur Herrschaft angewiesen. Die demokratische politische Bewegung zentralisierte bzw. entfaltete sich somit zunehmend in der Arbeiterbewegung, die sich dann zur Sozialdemokratie entwickelte. Hier war eine soziale Gruppe, die nicht sehr viel zu verlieren hatte, da sie an Besitztum und Rechten arm war. Die heranwachsende, sozialdemokratische politische Bewegung, zu der sich zunehmend auch Handwerker und Kleinb\u00fcrgertum gesellten, wurde von der Adelsschicht als eine Bedrohung empfunden, und es entwickelte sich das Interesse, ihr repressiv zu begegnen. Die Tatsache der Depolitisierung des B\u00fcrgertums in der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts f\u00fchrte dazu, dass sich das B\u00fcrgertum in der Tendenz eher dem Adel als der demokratischen Bewegung zuordnete, zumal die sozialdemokratische Bewegung den Privatbesitz in Frage stellte.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern das B\u00fcrgertum also schon sehr viel mehr in die politische Herrschaftsstruktur integriert war und auch seine Interessen viel mehr zum Ausdruck bringen konnte, war in Deutschland die politische Herrschaft vollst\u00e4ndig von adligen Interessen dominiert. B\u00fcrgerliche Interessen wurden nur in Form von dominanten, extrem gro\u00dfen wirtschaftlichen Kr\u00e4ften wie zum Beispiel der Stahlindustrie oder der Banken als Gespr\u00e4chspartner akzeptiert, weil man auf deren Kooperation angewiesen war. Das B\u00fcrgertum war gr\u00f6\u00dftenteils entpolitisiert und verstummt, um seine Interessen so \u2013 weil ja laut artikuliert sowieso nur angefeindet und unterdr\u00fcckt \u2013 dort durchsetzen zu k\u00f6nnen, wo es m\u00f6glich war: Vor allem im regionalen wirtschaftlichen und sozialstrukturellen Bereich, d.&nbsp;h. in Vereinen, Verb\u00e4nden und im gesellschaftlichen Leben vor Ort.<\/p>\n<p><strong><em>Krieg<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Umso bedrohlicher wurde folglich von der Herrschaftselite die immer weiter wachsende Arbeiterbewegung empfunden und gesehen. Ein Feinddenken entstand, welches beide Seiten zunehmend erfasste. Der Wunsch nach Integration war seitens der Herrschaftselite hinsichtlich der Sozialdemokratie nicht existent. Die fehlende Existenz von Kommunikation ist der Beginn von Krieg. Innerer wie \u00e4u\u00dferer Krieg war Folge dieser extremen Verkrustungen im politischen Bereich Deutschlands.<\/p>\n<p>Die nach dem ersten Weltkrieg sofort einsetzende Schuldzuweisung der Niederlage an im Grunde an dessen Ausl\u00f6sung Unbeteiligte (Liberale, Sozialdemokraten, Juden, andere Staaten) durch die Herrschaftselite bewirkte, dass die Weimarer Republik von Anfang an existentiell gef\u00e4hrdet war, denn die Gruppe von Menschen, die sie nun politisch verantwortlich trug, waren die, die von der alten Herrschaftselite gezielt als Feinde angegriffen wurden, wobei der Nationalismus die schlagkr\u00e4ftigste Waffe wurde: die Demokraten wurden zu Feinden der Nation, da sie angeblich an der Niederlage des ersten Weltkrieges wie auch an allen existierenden Problemen Schuld waren.<\/p>\n<p><strong><em>Lieber tot als rot: Fehlender Dialog durch fehlende Selbstkritik<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Eine Selbstkritik der Herrschaftselite an ihrem Wirken vor und w\u00e4hrend des ersten Weltkrieges war zu keiner Zeit \u00f6ffentlich sichtbar. Im Grunde ist sie bis heute nicht erfolgt. Die von dieser Gruppe ausgehende dominante Macht im Bereich der \u00f6ffentlichen Meinung bewirkte, dass sich w\u00e4hrend der Weimarer Republik zunehmend das Bild durchsetzte, dass der erste Weltkrieg und seine Folgen Schuld der Demokraten und hier insbesondere der international t\u00e4tigen Juden waren. Hiermit identifizierten sich immer mehr Deutsche. Dies war eine bequeme L\u00f6sung, unbequemen Fragen aus dem Weg zu gehen und unangenehme neue Entwicklungen abzublocken.<\/p>\n<p>In diesen vielen Jahrzehnten der Abwehr von demokratischer Einflussnahme durch die deutsche Herrschaftselite entwickelte sich ein Dogma, welches bis heute vorherrscht. Es lautet \u201eLieber tot als rot\u201c. Hiermit ist zum Einen gemeint, dass die, die sich zur Sozialdemokratie, zur Arbeiterbewegung oder einfach zur Opposition bzw. zum Liberalismus bekennen, lieber tot gesehen werden als am Leben gelassen werden, folglich besser ihre Meinung von rot auf eine andere \u00e4ndern, als dann selbst tot zu sein. Im Grunde eine Morddrohung. Wenn ich hier den Liberalismus mit in die Aufz\u00e4hlung einbeziehe, so deshalb, weil ich die Kontinuit\u00e4t der m\u00f6rderischen Absicht, die sich bereits in der b\u00fcrgerlichen Revolution von 1848 manifestierte, mit einbeziehe.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite ist damit gemeint, dass man selbst als Herrschaftselite lieber sterben m\u00f6chte als sich mit dem bedrohlichen Gedankengut dieser sozialen bzw. politischen Bewegung zu \u201einfizieren\u201c. Das B\u00fchnenst\u00fcck \u201eDas Fossil\u201c von Carl von Sternheim ist bester Ausdruck dieser Grundhaltung.<\/p>\n<p>Meiner Meinung nach hat diese Grundhaltung \u201eLieber tot als rot\u201c in Deutschland genug Schaden angerichtet. Mit ihr wurden zwei Weltkriege gef\u00fchrt und ganz abgesehen davon im inneren Krieg Tausende von Menschen ermordet \u2013 meistens nat\u00fcrlich \u201erote\u201c. Bis heute ist das KPD-Verbot von 1956 und sind die Berufsverbote von 1971 nicht abgeschafft.<\/p>\n<p><strong><em>W\u00e4hlerwille und Parteienstreit<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Abwendung vom Feinddenken und die Zuwendung zu dem Wunsch eines friedlichen Zusammenlebens aller B\u00fcrger bedeutet automatisch und selbstverst\u00e4ndlich Dialog aller mit allen. Keiner darf von einem Dialog ausgeschlossen werden. Wie die Geschichte zeigt, bedeutet das Ende des Dialoges den Beginn des Krieges und des Mordens. Die besseren Argumente sollen siegen, und Feinde der Demokratie sollen und k\u00f6nnen mit den Regeln der Demokratie bestraft werden.<\/p>\n<p>In den 70-er Jahren des letzten Jahrhunderts hat der Antikommunismus in den USA bewirkt, dass gegen\u00fcber Italien die Drohung eines milit\u00e4rischen Einmarsches f\u00fcr den Fall ausgesprochen wurde, dass dort der \u201ehistorische Kompromiss\u201c \u2013 die Regierungsbildung von Kommunisten mit Christdemokraten \u2013 vollzogen w\u00fcrde. Unter anderem aufgrund dieser Drohung haben die Christdemokraten dann auch davon abgelassen, diesen Weg weiter zu verfolgen. Die Auswirkungen davon sind bis heute weltpolitisch wie auch f\u00fcr Italien innenpolitisch sp\u00fcrbar.<\/p>\n<p>Ich denke, dass nun die Zeit daf\u00fcr gekommen ist, auch diesen Dialog erneut aufzugreifen und unabh\u00e4ngig von Drohungen jeglicher Art neu zu beginnen. Es ist ein Dialog, der notwendig ist und weltweit heilsam wirkt. Th\u00fcringen kann hier eine Vorreiterrolle einnehmen. In diesem Dialog der Parteien, politischen Gruppierungen und der B\u00fcrger miteinander sollte au\u00dferdem der W\u00e4hlerwille eine wichtige Rolle spielen. Mehrheiten, die die W\u00e4hler vorgeben, sollten das Handeln der politischen Parteien bestimmen, d. h. die Parteien sollten sich an dem W\u00e4hlerwillen orientieren und ihn als ein Primat akzeptieren. Wenn sie dies nicht tun, tragen sie zu immer gr\u00f6\u00dferer Politikverdrossenheit bei.<\/p>\n<p><strong><em>Die deutsche Teilung <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die deutsche Teilung ist eine Reaktion auf die Unf\u00e4higkeit der herrschenden Eliten zum Dialog mit ihren Kritikern und ihrer Unwilligkeit, grundlegende Reformen, die ihre eigene Macht schw\u00e4chen k\u00f6nnten, zuzulassen. Der Unterschied lag darin, dass nunmehr die deutsche Herrschaftselite nicht mehr allein entschied, sondern unter dem Einfluss ihrer Besatzungsm\u00e4chte stand. In den USA als der einflussreichsten westlichen Besatzungsmacht wurde bereits mit Pr\u00e4sident Truman ab 1944 der Antikommunismus zur Doktrin Nr. 1 \u2013 und damit der Kampf gegen die Sowjetunion. Nationalsozialistische F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten wurden in diese Strategie bewusst integriert. In der DDR wiederum musste unter der Herrschaft der sowjetischen Besatzungsmacht eine v\u00f6llig neue, unerfahrene Herrschaftselite aufgebaut werden.<\/p>\n<p>Die Strategie der Sowjetunion war es, ein vereinigtes entmilitarisiertes Deutschland zu schaffen. Dies wurde von den Westm\u00e4chten strikt abgelehnt, da man damit die Ausdehnung der sozialistischen Ideologie auf ganz Europa bef\u00fcrchtete. Der kalte Krieg begann. Westdeutschland wurde einseitig von den Westm\u00e4chten gegr\u00fcndet. Die Bundeswehr wurde geschaffen und die KPD verboten. Wichtig ist es, zu wissen, dass die Stalin zugesagten Reparationen und Wirtschaftshilfen nach dem Tod von Roosevelt zur\u00fcckgezogen wurden.<\/p>\n<p>Osteuropa, welches vom Krieg am meisten gesch\u00e4digt worden war, musste sich selbst wieder aufbauen, w\u00e4hrend Westeuropa von den USA zum Schaukasten des Kapitalismus ausgebaut wurde. Zus\u00e4tzlich wurden Wirtschaftssanktionen gegen die Sowjetunion und die von ihr beherrschten L\u00e4nder verh\u00e4ngt. Man muss dazu ebenfalls wissen, dass Europa von Roosevelt, Churchill und Stalin gemeinsam in zwei Machtsph\u00e4ren aufgeteilt wurden \u2013 dies aber noch mit der Zusage von Aufbauhilfen f\u00fcr die Sowjetunion in der Nachkriegszeit. Nun musste der Aufbau ganz aus eigener Kraft geschehen und die Sowjetunion sah sich zus\u00e4tzlich durch die Drohung der Atombombe vor die Notwendigkeit gestellt, selbst eine solche Waffe zu entwickeln.<\/p>\n<p><strong><em>Der Mauerbau<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Der Mauerbau ist unter diesen politischen Gegebenheiten zu sehen. Es gab einen ungleichen und unfairen Wettbewerb zwischen Ost und West, und das war von den USA so gewollt. Der Sozialismus sollte zu Fall gebracht werden. Neben dem Wirtschaftskrieg setzte der ideologische Krieg ein, in dem die USA und Gro\u00dfbritannien sehr viel Erfahrung hatten. Dazu kam der Krieg der Geheimdienste. Der Bundesnachrichtendienst wurde von der CIA gegr\u00fcndet und finanziert, die Operation Gladio begann mit ihren verdeckten Operationen und bald war ein Netzwerk von Agenten und Spionen in der DDR entstanden, deren Aufgabe darin bestand, das System zu destabilisieren. All diese Informationen sind nachlesbar, doch nicht Bestandteil des offiziellen Geschichtsunterrichts. Der Mauerbau wird hier einseitig auf ein undemokratisches, sozialistisches Regime zur\u00fcckgef\u00fchrt. Dies ist jedoch zu kurz gegriffen und erkl\u00e4rt die Widerspr\u00fcche und Hintergr\u00fcnde nicht.<\/p>\n<p><strong><em>Zusammenfassung<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Bis heute leidet die politische Diskussion in Deutschland unter dem Defizit einer fairen Analyse. Es wurden z. B. genauso viele Briefe von den westlichen Geheimdiensten ge\u00f6ffnet wie von der Staatssicherheit der DDR, und was die Ausgaben f\u00fcr den Geheimdienst betrifft, so waren diese im Westen sicherlich von Anfang an h\u00f6her als die in Ostdeutschland oder ganz Osteuropa. Einseitig h\u00f6ren wir jedoch bis heute nur \u00fcber die Arbeit der Stasi. Insofern ist die Ideologie des Antikommunismus als Herrschende erhalten geblieben und hindert uns daran hindert, konstruktive L\u00f6sungen f\u00fcr Deutschland, Europa und die Welt gemeinsam zu entwickeln und zu finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00f6deralismus Die Deutschen haben eine sehr stark regional orientierte, stammesgeschichtliche Tradition. Die Ausbildung einer \u00fcberregionalen Verwaltungs- und Herrschaftsstruktur gestaltet sich \u00fcberaus langsam und ist von vielen Widerst\u00e4nden gepr\u00e4gt. Bereits die f\u00f6derale Struktur mit den 16 Bundesl\u00e4ndern, die Deutschland heute hat, ist insofern eine Errungenschaft. 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