Europa

Die Göttin Aphrodite war es, die einer dem Selbstmord nahen Europa verkündete, dass sie Herrscherin der Insel Kreta werde und der Erdteil, zu dem Kreta gehörte, künftig ihren Namen tragen werde. Europa, in der Mythologie von Göttern geliebt und geschützt, ist bis heute ein Erdteil mit fließenden Grenzen. Es gibt das Europa der 51 Staaten mit mehr als 800 Millionen Einwohnern und seinen dann mindestens 23 Millionen km² Fläche – und das Europa der Europäischen Union mit 4,3 Millionen km² Fläche, mit 27 Staaten und etwa 500 Millionen Einwohnern. Zum Vergleich: China (1,36 Mrd. Einwohner, 9,8 Mio. km²), Indien (1,24 Mrd. Einwohner, 3,3 Mio. km²), die USA (316 Mio. Einwohner, 9,9 Mio. km²) und Russland (144 Mio. Einwohner, 18 Mio. km²).

Will Europa den Weg des Eurovision-Song-Wettbewerbs weitergehen, der bisher so viele Menschen begeisterte? Oder will es den Weg der Ausgrenzung gehen, der sich gezielt gegen Russland und seine Bündnispartner richtet? Welche Interessen stehen hinter dieser Strategie? Die überwältigende Mehrheit der Einwohner Europas sehnt sich nach dem produktiven Austausch von Kultur, Waren und Dienstleistungen und möchte in Frieden miteinander leben. All dies schien bis zum Ende des letzten Jahrzehnts auf einem guten Weg. Was hat sich gewandelt?

Gehen wir 100 Jahre zurück. Die Analyse der Ursachen des Ersten Weltkrieges zeigt, dass die politisch Herrschenden sich in die Hände der Militärs begeben hatten. Nicht mehr der politische Diskurs und die Diplomatie, sondern das Denken in Freund und Feind wurde bestimmend. Die rationale Analyse, die Betrachtung der politischen Verhältnisse von allen Seiten war zum Stillstand gekommen. Um diesen Fehler jetzt zu vermeiden, ist eine Politik der Kritik und Selbstkritik nötig. Derzeit wird einseitig kritisiert und Selbstkritik kommt nicht vor. Dies ist sehr gefährlich. Ist denn von Seiten der EU, der EU-Staaten und der USA wirklich alles richtig gemacht worden? Hat man alle Eventualitäten wirklich bedacht?

Um ein einheitliches, prosperierendes, kooperierendes Europa aufzubauen, benötigen wir eine Politik des nationalen Selbstbewusstseins, auf dessen Boden Mitgefühl, Weisheit und Akzeptanz gedeihen – und diese Qualitäten führen zu innerem und äußerem Frieden. Akzeptanz bedeutet, das Andere des anderen zu respektieren. So darf also Russland seine „gelenkte Demokratie“ behalten, solange seine Bürger diese Politik mehrheitlich wählen. Die Ukraine darf ihren gewählten Präsidenten Janukowitsch behalten, und die USA und bestimmte Vertreter der EU haben kein Recht, ihn aus dem Amt zu jagen. Nun zeigen Brandstifter mit dem Finger auf Russland. Es darf nicht vergessen werden: eine der ersten Amtshandlungen der Putsch-Regierung in der Ukraine war es, die russische Sprache als Amtssprache abzuschaffen. Dies kommt einer Kriegserklärung gleich.

Das tödliche Virus des Nationalismus hat schon das ganze letzte Jahrhundert Tod und Zerstörung gebracht. Das neue Europa braucht den nationalen wie transkulturellen Dialog. Die Bürger wollen mitentscheiden. Europa braucht mehr regionale, nationale wie europäische Demokratie. Um den Frieden zu erhalten, muss Europa bereit sein, das Votum der Bevölkerung der Krim wie auch der Ostukraine als gegebene Realität anzuerkennen. Eine völlige Ignoranz des Willens der Bevölkerung dort, wie sie heute von der herrschenden EU- und US-Politik praktiziert wird, wendet sich auch gegen die künftigen demokratischen Entwicklungen in Europa.

Besinnen wir uns auf unsere gemeinsamen europäischen Interessen: Freundschaft unter allen Ländern. Lassen wir wieder die Diplomatie sprechen und folgen wir nicht der Orientierung der NATO nach mindestens drei Prozent mehr Rüstungsausgaben. Europa braucht das Geld für seine friedliche Zukunft. Lassen wir Europa in ihrer ganzen Schönheit erstrahlen.

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